Vom Azubi zur Gestalterin: Julias Weg voller Mut, Entwicklung und Leidenschaft

11. Juni 2026

„Durchhalten. Es hat sich gelohnt.“

Manchmal braucht es nur einen einzigen Satz, um zwölf Jahre berufliche Entwicklung zusammenzufassen. Als Julia gefragt wird, was sie ihrem Azubi-Ich heute sagen würde, muss sie nicht lange überlegen. Ihre Antwort kommt sofort: „Durchhalten. Es hat sich gelohnt.“

Heute arbeitet Julia als hauptamtliche Praxisanleiterin im Fachbereich Psychiatrie des Diakonieklinikums und hat ihre Fachweiterbildung zur Fachkraft für sozialpsychiatrische Betreuung erfolgreich abgeschlossen. Doch angefangen hat alles mit einer jungen Frau Anfang 20, viel Nervosität und einer großen Portion Neugier.

Der erste Tag – und eine Freundschaft fürs Leben

Den ersten Ausbildungstag im April 2011 hat Julia bis heute nicht vergessen. „Man kannte keinen. Wir waren alle aufgeregt und nervös.“

Was damals niemand ahnen konnte: Noch am selben Tag lernte sie einen Menschen kennen, der bis heute zu ihren engsten Bezugspersonen gehört.

Am Ende des Tages habe ich eine meiner wertvollsten Lieblingsmenschen kennengelernt. Die ist immer noch in meinem Leben präsent.

Es sind oft genau diese Begegnungen, die eine Ausbildung prägen. Fachwissen lässt sich lernen. Beziehungen und Vertrauen entstehen durch gemeinsame Erfahrungen.

Eigentlich Unfallchirurgie. Dann kam die Psychiatrie.

Dass Julia einmal in der Psychiatrie arbeiten würde, war ursprünglich gar nicht geplant. Während ihrer Ausbildung zog es sie zunächst in die Unfallchirurgie. Dort begeisterten sie die Praxisanleitung und die eigenverantwortliche Arbeitsweise.

Doch dann kam der Einsatz in der Psychiatrie. „Mein Praxisanleiter hat mir gezeigt, wie viel Spaß psychiatrische Pflege macht.“

Ein Schlüsselmoment, der ihren weiteren Berufsweg nachhaltig beeinflussen sollte.

Bis heute ist Julia dem Fachbereich treu geblieben – und kann sich keinen anderen vorstellen.

Mehr als Pflege: Den Menschen sehen

Wer an Pflege denkt, denkt häufig zuerst an medizinische Versorgung oder Körperpflege. Für Julia greift diese Vorstellung viel zu kurz.

In der Psychiatrie habe ich gelernt, dass ein Mensch nicht über seine Erkrankung definiert wird, sondern als Person.

Genau das macht den Fachbereich für sie so besonders. Jeder Tag ist anders, jede Begegnung einzigartig. „Psychiatrische Pflege macht Spaß, weil man sich selbst neu kennenlernt und die Patienten den Raum haben, sich zu entwickeln."

Es geht um Zuhören, Verstehen, zwischen den Zeilen lesen und Menschen auf ihrem Weg zu begleiten. Für Julia ist das weit mehr als ein Beruf – es ist eine Haltung.

Prüfungsangst, Zweifel und die Kraft von Unterstützung

Wer Julia heute erlebt, sieht eine selbstbewusste Fachkraft, die Auszubildende begleitet und anleitet. Umso überraschender ist ihre Offenheit, wenn sie über ihre größte Herausforderung spricht: Prüfungen. „Ich bin überhaupt gar kein Prüfungsmensch. Ich habe wahnsinnige Prüfungsangst.“

Schon während der Ausbildung waren Klausuren und Prüfungen für sie eine enorme Belastung. Und auch viele Jahre später, während ihrer Fachweiterbildung, änderte sich daran wenig. „Die mündliche Prüfung war für mich der reinste Horror. Ich war körperlich und psychisch ein komplettes Wrack.“

Gerade deshalb weiß sie heute, wie wichtig Begleitung und Verständnis sind.

Man darf nicht vergessen, wie schlimm Prüfungsangst sein kann. Wir sollten unterstützend tätig sein, ein offenes Ohr haben und auch mal über etwas anderes als die Prüfung sprechen.

Eine Erfahrung, die ihre Arbeit als Praxisanleiterin bis heute prägt.

Warum sie geblieben ist

Nach der Ausbildung standen Julia viele Wege offen. Doch für sie war schnell klar, wo sie ihre berufliche Zukunft sieht.

Ich habe mich zu Hause gefühlt.

Besonders die Unterstützung durch das Team ist ihr bis heute in Erinnerung geblieben. Kolleginnen und Kollegen, die sie willkommen hießen. Menschen, die ihr Sicherheit gaben, als sie ihre ersten Schritte im Berufsleben machte.

Eine Geschichte erzählt sie besonders gerne:

Vor ihrem ersten Nachtdienst schrieb ihr eine erfahrene Kollegin eine Liste mit wichtigen Hinweisen für die Nacht, gab ihr ihre private Telefonnummer und sagte:

„Wenn irgendwas ist, ruf mich an. Du kannst mich die ganze Nacht erreichen.“

Für Julia steckt darin bis heute eine wichtige Botschaft:

Mit Anfang 20 Menschen um sich herum zu haben, die einen halten und in die Arbeitswelt hineintragen, ist so viel wert.

Entwicklung beginnt dort, wo Neugier bleibt

Stillstand ist nicht Julias Sache. Das weiß nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Familie. „Meine Schwester sagt immer, sie würde gerne mal die Pausetaste bei mir drücken.“

Nach ihrer Ausbildung folgten zahlreiche Fort- und Weiterbildungen: Praxisanleitung, Motivational Interviewing, Pflegekongresse, Fachveranstaltungen und schließlich die Fachweiterbildung zur Fachkraft für sozialpsychiatrische Betreuung.

Jede einzelne Station hat Spuren hinterlassen.

Jede Fort- und Weiterbildung hat mich gepusht und Veränderungen im eigenen Denken hervorgerufen.

Dabei geht es nicht nur um Fachwissen. Es geht auch um persönliche Entwicklung. „Ich war am Anfang relativ ruhig und zurückgezogen. Jetzt traue ich mich, in die Präsenz zu gehen.“

Ein Satz, der vielleicht am besten beschreibt, was lebenslanges Lernen bewirken kann.

Gemeinsam etwas bewegen

Besonders stolz ist Julia auf Projekte, die Menschen zusammenbringen.

Dazu gehören die Willkommenstage für neue Auszubildende, die sie gemeinsam mit ihren Kolleginnen kontinuierlich weiterentwickelt hat.

„Wir haben uns von einem Tag auf drei Tage gesteigert.“

Auch die jährliche Psychiatrie-Party liegt ihr am Herzen. Für sie steht sie sinnbildlich für etwas, das ihr besonders wichtig ist: Gemeinschaft.

Das zeigt den Zusammenhalt von uns Mitarbeitenden, dass wir auch Lust haben, unsere Freizeit miteinander zu verbringen.

Die Zukunft? Offen.

Wer glaubt, Julia habe nach ihrer letzten Weiterbildung genug gelernt, kennt sie nicht.

Konkrete Pläne gibt es zwar noch nicht. Ideen dagegen viele. „Ich weiß, dass ich noch etwas brauche.“

Was das genau sein wird, lässt sie bewusst offen. Entscheidend ist für sie etwas Anderes: „Ich möchte mit 80 nicht auf einem Stuhl sitzen und sagen: Hätte ich mal.”

Dieser Gedanke treibt sie an. Nicht Perfektion. Nicht Karriere um jeden Preis. Sondern die Bereitschaft, Chancen zu nutzen und neugierig zu bleiben.

Drei Worte für das Diakonieklinikum

Zum Abschluss bitten wir Julia, das Diakonieklinikum in drei Worten zu beschreiben.

Ihre Antwort kommt ohne Zögern:

„Familiär. Nahbar. Präsent.“

Vielleicht sind genau diese drei Worte auch ein Stück Erklärung dafür, warum aus einer Auszubildenden von damals eine engagierte Fachkraft geworden ist, die heute selbst andere auf ihrem Weg begleitet.

Und warum ihre Geschichte noch lange nicht zu Ende erzählt ist…