Real Talk: Wie Praktikum, FSJ und Studium deinen Blick auf die Pflege komplett verändern

06. Mai 2026

Vom „Plan B“ zum Traumberuf

Manchmal führt der Weg zum Traumberuf über einen vermeintlichen Umweg. So war es zumindest bei Lynn (li.). Nachdem sie durch das Erziehungswissenschaften-Abitur gefallen war, zog sie nach Rotenburg (Wümme) und stand vor der Herausforderung, sich ganz neu orientieren zu müssen.

Ich brauchte einen Plan B“, erzählt sie. „Über ein zweiwöchiges Pflegepraktikum und die Unterstützung des Recruitings der Pflegedirektion landete ich im FSJ auf der Kinder- und Jugendpsychiatrie (Station 60). Ich wurde so herzlich aufgenommen und habe gemerkt: Hier bekomme ich Rückhalt und Unterstützung.“

Heute ist ihr Fachabitur durch das Freiwillige Soziale Jahr anerkannt und sie studiert erfolgreich im zweiten Semester an der Hochschule Bremen.

 

Sarah (re.) wollte ursprünglich Hebamme werden, merkte im Praktikum aber schnell: Das Krankenhaus gefällt mir, der Beruf der Hebamme nicht. Also bewarb sie sich für die Pflege – obwohl sie das lange Zeit gar nicht wahrhaben wollte:

Meine Mutter arbeitet auch in der Pflege, und eigentlich will man ja oft was anderes machen als die Eltern. Aber ich bin super froh, dass ich mich getraut habe. Es war die beste Entscheidung.“

 

Johanna(m.) wiederum brachte Bio- und Chemie-Leistungskurse mit und liebäugelte mit dem Medizinstudium. Doch nach dem Abi wollte sie nicht direkt wieder nur am Schreibtisch sitzen und Theorie büffeln. Sie entschied sich für ein FSJ in der Gefäßchirurgie (Station 3):

Ich habe gemerkt, dass der Arztberuf in meinem Empfinden viel weiter weg vom Patienten ist. In der Pflege hat man diesen engen, echten Kontakt.

 

Mehr als nur Wasserflaschen bringen: Was Pflege wirklich bedeutet

Ein großes Vorurteil, das Sarah direkt aus dem Weg räumen möchte: Pflege ist kein einseitiger, langweiliger Beruf, der sich nur auf Körperpflege beschränkt. Pflege ist hochgradig abwechslungsreich.

Mit diesem Studium tritt man in einen Vorraum und kann sich die nächsten 50 Jahre gefühlt alle zwei Jahre neu umorientieren.“ – Sarah

Wie vielseitig dieser Beruf ist, zeigen die Stationen, die die drei bereits durchlaufen haben:

  • Neuro- und Unfallchirurgie: Das Spontane, wenn neue Patientinnen und Patienten aus der Notaufnahme kommen, gepaart mit festen Routinen.
  • Lungenstation: Die intensive Konfrontation mit schweren, inneren Krankheiten.
  • IMC (Intermediate Care): Die hochtechnisierte Zwischenstation zwischen Intensiv- und Normalstation. Weniger Patienten, aber dafür maximale Intensität und Raum für medizinisches Lernen.
  • Kinder- und Jugendpsychiatrie: Ein sensibler Bereich, in dem Feingefühl und Team-Kommunikation über allem stehen.
  • Gefäßchirurgie & Wundmanagement: Ein hochkomplexer, eigenständiger Fachbereich.

Johanna durfte während ihres Freiwilligen Sozialen Jahres sogar in die Ambulanz, den OP, die Pädiatrie, die Notaufnahme und die Pathologie hineinschnuppern: „Man lernt hier auf Augenhöhe interdisziplinär mit Ärzten, Physio- und Ergotherapeuten zusammen. Es ist eine eigene, hochgradig selbstständige Profession.“

 

Persönliches Wachstum: Über sich hinauswachsen

Das Krankenhaus ist kein steriler Lernort – es ist das echte Leben. Und das prägt den Charakter. Sarah stellte überrascht fest, wie sehr man im Patientenkontakt eine ganz neue, ruhige Stärke entwickelt: „Man lernt, sich extrem auf sein Gegenüber einzulassen. Die Patienten vertrauen einem.“

Johanna reflektiert vor allem den Umgang mit schwierigen Situationen:

Man lernt seine eigenen Grenzen kennen und zu kommunizieren. Und man lernt eine gesunde Trennung: Wenn ein Patient schlechte Laune hat und sie an mir auslässt, hat das nichts mit mir persönlich zu tun. Ich bin an dieser Zeit extrem gewachsen.“

 

Team-Kultur und die legendäre „Wümme-Aktion“

Dass trotz ernster Themen der Spaß nicht zu kurz kommt, zeigt eine Geschichte von Lynn aus der Psychiatrie. An einem heißen Spätsommertag packte das Team kurzerhand einen Sonnenschirm und Wasser ein und verlegte das Nachmittagsprogramm mit den Jugendlichen an den nahegelegenen Fluss Wümme. Und auch an ihrem Geburtstag im Kito-Kinderland (inklusive ungläubiger Blicke des Chefarztes wegen der Jogginghosen auf Station) erinnert sie sich lachend.

Man darf den Spaß im Team nie verlieren, gerade in emotionalen Phasen. Wenn mich Fälle mal nicht losgelassen haben, konnte ich zehnmal mit meiner Anleitung darüber reden. Niemand war genervt. Das Team fängt dich auf.“ – Lynn

 

Theorie trifft Praxis: Das Pflegestudium

Für Johanna ist der größte Unterschied zur Schulzeit die intrinsische Motivation: „Ich weiß jetzt genau, wofür ich Anatomie oder Kommunikation lerne. Weil ich später die Verantwortung für Menschen trage.“

Besonders cool im Studium: Die sogenannten Skills Trainings und Schauspiel-Simulationen. Bevor es an echte Menschen geht, werden pflegerische und medizinische Handgriffe (wie das Legen von Sonden oder Kathetern) an Puppen und mit professionellen Schauspielern vor einer Kamera geübt und danach im Team per Video analysiert. Dabei spielt auch die Kommunikation mit Patienten, Angehörigen und Kollegen eine zentrale Rolle und wird gezielt trainiert.

Sobald du die Tür zum Simulationsraum aufmachst, vergisst du die Kamera. Es fühlt sich zu 100 % real an.“ – Sarah

Und wie läuft das mit dem Diakonieklinikum Rotenburg als Praxispartner? Die drei sind sich einig: Das Verhältnis ist überdurchschnittlich gut. Egal ob es darum geht, dass die Pflegedienstleitung beim Lernen unterstützt oder bürokratische Hürden flexibel gelöst werden – die Unterstützung stimmt.

 

Und wo geht die Reise hin? (In 5 Jahren...)

  • Johanna:„Auf Station arbeiten, das Gelernte festigen und meinen eigenen Rahmen stecken.“
  • Sarah:„Mitten in einer großen Fortbildung oder im Masterstudiengang stecken.“
  • Lynn:„In den Niederlanden im Krankenhaus arbeiten.“

 

Dein Fazit, wenn du noch unsicher bist?

Versuch es einfach! Wenn du es nicht machst, fragst du dich in fünf Jahren: Was wäre wenn? Schlimmstenfalls bist du um eine Erfahrung reicher und weißt, was nicht zu dir passt. Du hast absolut nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen!“ – Lynn

 

Bist du bereit, deine eigene Geschichte in der Pflege zu schreiben? Egal ob Praktikum, FSJ oder Studium – wir begleiten dich auf deinem Weg